Tschaggabum
Waehrend Ganja schon bei uns wohnte und wir auf Tiyoweh warteten, rief die deutsche Freundin an, um uns zu erzaehlen, dass sie ein Muli gefunden haben, das sie mir zeigen wollte was jetzt drei Monate alt sei. Ich erzaehlte ihr, das wir uns inzwischen schon fuer einen Esel und ein Pferd entschieden haetten, aber sie ueberredete mich trotzdem, das Muli wenigstens mal anzugucken. Ich verliess also Duyke mit den Worten: Also ich geh nur mal gucken, ja?
Wir fuhren ziemlich lange, bis wir an einen spanischen Hof kamen, wo zwei Stuten gehobbelt auf der Wiese herumliefen und neben ihnen ein kleines Mulifohlen.
Es war noch kleiner als der Esel und irgendwie schoss es mir durch den Kopf, wie schoen es wohl fuer Ganja waere, einen Freund zu haben und dass diese beiden irgendwann mal einen Wagen ziehen koennten.
Nachdem ich mich also sofort verliebt hatte, fuhren wir nach Hause und da Duyke auch fuer einen Freund fuer Ganja war, sagte Jan wieder zu, uns eben doch einen Muli zu schenken.
So riefen wir die Besitzer an. Das Problem bei dem ganzen Mulifohlenkauf war, dass das Fohlen eigentlich noch viel zu jung war. Normalerweise bleiben Fohlen mindestens ein halbes Jahr bis neun Monate bei ihre Mutter. Aber als ich die Spanier fragte, ob es nicht noch bleiben koenne, bekam ich zur Antwort, dass die Stute wieder frei fuer ein neues Fohlen werden muesse und dass wenn wir ihn jetzt nicht nehmen, er an jemand anderen verkauft wuerde.
Also kam einen Tag spaeter ein schweissnassgebadetes Muli aus dem Haenger, das schrie, weil es gerade seine Mutter verloren hatte. Die Maenner banden es neben den Esel in den Auslauf und verschwanden von der Bildflaeche.
Den Rest dieses Dramas konnten wir ausbaden. Das Muli zeigte ueberhaupt kein Interesse an Ganja und auch an sonst nichts Anderem und schrie aus Leibeskraeften nach seiner Mama. Er liess sich zwar anfassen, aber man merkte, dass er Menschen nicht allzuviel Vertrauen entgegenbrachte.
Es war klar, dass er zum ersten Mal an ein Seil gebunden war und dass wenn wir ihn waehrend er noch so verzweifelt daran glaubte, dass seine Mutter gleich auftauchen wuerde, ihn losmachen wuerden er wohl kaum in dem Auslauf bleiben wuerde. Es zerriss mir das Herz, wie grausam doch manche Menschen mit Tieren umgehen.
Und als ich gerade darueber nachdachte, wie ich dem kleinen helfen koenne, riss er sich los und als Duyke, der gerade den Pfad hochkam, ihn packen wollte, sprang er ueber den Zaun und trat Duyke gegen die Rippen. Fuer dieses winzig kleine Muli kam ab diesem Moment nur ein Name in Frage:
Tschaggabum!
Das Fohlen hatte so einen Tschaggabum drauf, dass es alle Leute, die damals im Tal wohnten die naechsten dreieinhalb Stunden auf Trab hielt. Ob mit Jans Ente, Fahrraedern, Motorraedern oder zu Fuss, wir mussten den im ganzen Tal umhergallopierenden Tschaggabum unbedingt fangen. Kaum auszumalen, was mit ihm passieren wuerde, wenn ihn jemand anderes in die Haende bekaeme. Tschaggabum gab die Hoffnung nicht auf, dass irgendwo hier seine Mama versteckt sein muesste. Er gallopierte und gallopierte und schrie und schrie drei Kilometer hin und drei Kilometer zurueck und wir alle hinterher. Irgendwann schafften wir es, ihn mit vier Leuten zu umzingeln und warfen uns auf ihn. Von da an war klar, was dieses Muli brauchte: All unsere Liebe. Wir brachten ihn zurueck und redeten ihm gut zu. Er beruhigte sich langsam. Ich konnte ihn so gut verstehen.
Als am naechsten Tag die Stute gebracht wurde, war endlich alles wieder gut. Sah doch Tiyoweh wie seine Mutter aus, nahm er sie auch sofort als solche an und wich ihr seit diesem Tag nicht mehr von der Seite. Auch heute noch, wo er jetzt vier Jahre alt und fast ausgewachsen ist, laesst er sie nur ungern gehen.
Tschaggabum ist zu einem absoluten Charaktertier herangewachsen. Er liebt es, frei in der Gegend herumzu rennen, mit Ganja Fangen und Verstecken zu spielen und es war mir immer ein Genuss, mit Tiyoweh durch die Welt zu reiten und Ganja und Tschaggabum wie wild hinter uns herduesen zu sehen.
Tschaggabum hat auf jeden Fall seinem Namen alle Ehre gemacht. Er schmust fuer sein Leben gern und Sachen tragen findet er auch ziemlich gut. Er ist immer noch der Sturste von allen, Wasserscheu wie eh und jeh und probiert gerade aus mit jedem der kommt, wer der Chef ist. Die Stuten lieben ihn und er stellt das pure Powerlebenslustpaket da. Mit zwei haben wir ihn kastrieren muessen weil er so hengstig war und die Stuten zeitweise supergenervt von seinem Benehmen.
Seitdem ist er immer ruhiger geworden aber seine Willenskraft und Staerke, Power und Ausdauer wird er wohl gluecklicherweise niemals verlieren.
Text von Noras







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