Ganja

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Paola hatte Duyke zum Geburtstag einen Esel versprochen. Als ich dann aber gehen musste und Duyke sich entschied, mit mir zu gehen, wollte Duyke nicht vom Eselplan loslassen und zusammen mit einer deutschen Freundin, die Ahnung vom Pferdekauf bei Zigeunern hatte, kamen wir zu Rapha, einem Zigeuner aus einer grossen Familie, der Pferde vertickerte und sie, waehrend sie bei ihm waren, in einem Stall ohne Fenster und in winzigen Plastikstaellen hielt.
Die meisten der Pferde hatten Probleme mit dem Sonnenlicht, wenn sie denn mal rauskamen um irgendjemandem angepriesen zu werden. Ueberall litten die Pferde dort unter den verschiedensten Dingen. Und dennoch koennte ich heute sagen, er behandelte die Tiere noch besser als viele Spanier und Gitanos die ich spaeter traf. Trotz allem ware ich schockiert ueber die Bedingungen die die Tiere dort aushalten mussten.
Wir liessen uns alle Tiere zeigen, darunter auch eine Mulistute, die vielleicht gerade ein Jahr alt war und die ich sofort in mein Herz schloss. Es gab aber keine Spur von einem Esel und so gingen wir wieder nach Hause.
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Bei einem Pizzaessen eine Woche spaeter in Las Negras mit Duyke und Jan erzaehlte ich, dass mir die Mulistute nicht aus dem Kopf ging. Und Jan beschloss, uns, wenn wir wollten, das Muli zu schenken. Uebergluecklich fuhren wir am naechsten Tag wieder zu Rapha und stellten traurig fest, dass er das Muli zwei Tage vorher verkauft hatte. Anstatt ihrer fanden wir im selben Stall einen winzig kleinen Esel vor. Duyke und ich waren sofort Feuer und Flamme. Wir schalteten unsere Vernunft voellig aus und dachten nicht darueber nach, was wir wohl mit einem so kleinen Eselbaby anfangen koennten.
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Und ploetzlich fing es an zu schuetten. Mitten im Hochsommer. Wie aus Eimern prasselte der Regen auf die Plastik und Wellblechdaecher der Staelle. Wir suchten Schutz in einem groesseren Stall nebenan und ich traf eines der wunderschoensten Tiere die mir je begegnet waren.
Tiyoweh.
Duyke entschloss sich dort im Regen Ganja von seinem letzten Geld zu kaufen und ich fragte Jan ob er mir statt dem Muli die Haelfte des Geldes fuer dieses Pferd geben wuerde. Er sagte zu und ich erzaehlte Rapha uebergluecklich, dass ich die Stute haben wolle und er das Geld im laufe der naechsten Woche bekommen wuerde.
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Das Eselfohlen wurde in den Haenger gepackt und zu uns nach Hause gefahren.
Ab heute sollte sich unser Leben von Grund auf aendern. Ganja war in unseren Alltag getreten und er benahm sich hoechst zutraulich. Er folgte uns ueberall hin und rannte spaeter mit Tschaggabum um die Wette. Er beschwerte sich lautstark, wenn wir weggingen und begruesste uns auf seine Weise wenn wir wiederkamen. Er schmuste fuer sein Leben gerne und erfreute uns mit allem moeglichem Schabernack.
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Noch immer sitzt ihm ein Schalk im Nacken, wenn er geradfe nichts zu tun hat. Mitlerweile ist er fuenf Jahre alt und der absolute Renner in Sachen Belustigung unsererseits und einer speziellen Eigeninitiative bei der Arbeit. Er zieht stolz und ohne jemals gemuckt zu haben einen kleinen Wagen durch die Gegend, hat uns oft geholfen Wasser und Holz zu holen und schliesst alle sofort in sein Eselherz, wenn wir zusammen in die Doerfer fahren und er praktisch selbstaendig den Wagen zieht. Auch jetzt auf der Reise geht er am Liebsten autark wo er will, rupft hier mal ein Haferhaelmchen ab und da mal ein Luzernchen oder ein speziell ausgewaehltes Kleeblatt am Weg und folgt der Herde ohne Seil eifrig ohne sich zu beschweren.
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Am Liebsten ueberholt er alle und geht ganz vorne und zieht die Herde mit sich. Wir haben schon ueberlegt, ob nicht er die Reise nach Oesterreich organisiert hat und uns als Alibi mitnimmt. Auf jeden Fall kommt uns das manchmal so vor. Er benimmt sich immer wie einer, der weiss was er tut.
Ganja, der beste Esel der Welt.
Und wer ihn noch nicht kennt, der sollte sich schnell mal mit ihm verabreden.

Text von Noras

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