Ein Leben aus dem Bauch heraus
Im Nachhinein ist alles so schluessig:
Ich habe vier Jahre im Arbeitsleben der “normalen Welt” gelebt, mich nicht wohl gefuehlt, vom abenteuerreichen, wilden, freien Leben getraeumt; habe den Alchimisten, und andere Freiheitsbuecher verschlungen, das Leben geliebt und meine Unfreiheit gehasst, bin fast krank gewordenund habe in einem verzweifelten Rundumschlag erst dann die Ausbildung abbrechen koennen, als es fast zu spaet war.
Ich zog dann nach Berlin, nur um dort zu lernen, dass auch das Grossstadtleben nicht das ist was mich gluecklich macht, um Lucas zu treffen, durch ihn den Mut aufzubringen, alles loszulassen und mit ihm nach Spanien zu reisen.
Obwohl ich noch einiges haette erledigen muessen hatte ich Anfang Maerz das Gefuehl, dass ich jetzt los muss, egal wie. Lucas war schon zwei wochen vorher abgereist.
Ich trampte mit zwei Freunden nach Almeria die unruhe wurde weniger. Wir blieben vier Tage am Capo de gata bis wir auf einmal wieder das Gefuehl hatten jetzt weiter nach Orgiva ziehen zu muessen (da wollten wir eh frueher oder spaeter hin).
Auf dem Busbahnhof in Motril traf ich dann auf Sebastian und Baer, die von der geplanten Reise per Pferd nach Oesterreich erzaehlten. Sie Wohnten gerade in El Morion, wir Wollten nach Benefizio, ein paar Kilometer weiter, um Lucas zu treffen.
Zwei Wochen spaeter hatte ich das Gefuehl, jetzt muss ich runter nach El Morion. Es regnete und ich hatte eigentlich keine Lust auf den einstuendigen Fussweg. Dachte auch eigentlich das die Pferdekaravane schon weg sei.
Doch ich ging trotzdem. In El Morion traf ich Sebastian, zog kurzerhand in das Haus neben ihm ein, wir unterhielten uns verstanden uns immer besser.
Drei Tage spaeter nahm er mich mit zu den Pferden, ich lernte Nadja und Jonathan kennen und sie fragten mich, ob ich mitreisen wolle.
Wenn ich in den Schluesselsituationen auch nur einmal auf die sachlichen Ratschlaege von anderen Leuten gehoert haette, die Ausbildung aus Vernunft nicht abgebrochen haette, nicht ohne Absicherung nach Berlin gezogen waere, noch meine Sachen geklaert haette bevor ich losgezogen bin, nicht an diesem Tag nach El Morion gegangen waere, nur weils Wetter schlecht und der Fussweg unbequem war, haette ich dann all dieses gefunden, all das, was immer schon mein Traum war?
Es ist das Leben nach Gefuehl, das dieses Lebensgefuehl ausmacht. Es ist das Leben nach Gefuehl, das mich zu einem der gluecklichsten Menschen der Welt macht.
Der Verstand kann warten.
niko
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